Tacitus
Beichterlebnis an der BHAK/BHAS Liezen
>>Wos? Beichtn? Mias ma do gehen?<<
Diese Frage höre ich von den Schülern in Bezug auf die alljährlich während der Fastenzeit an der BHAK/BHAS Liezen angebotene Beichtgelegenheit immer wieder. Angesichts der in einer solchen Frage wahrnehmbaren Skepsis gegenüber dem Bußsakrament gilt es dann stets zu klären, wie dieses freiwillige Angebot zu verstehen ist.
In einer Zeit, in der die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht immer öfter digitalisiert und ins Web 2.0 verlagert wird, bleibt für echte Aussprachen in den Familien oft wenig Gelegenheit. Schulbeichte in der Sekundarstufe 2 kann hier ansetzen und die Möglichkeit bieten, sich mit einer Vertrauensperson in entspannter Atmosphäre auszutauschen. Ob dies in Form einer klassischen Beichte oder als einfaches Gespräch geschieht, bleibt dabei dem/der SchülerIn überlassen.
Ich beginne das Gespräch meist damit, dass es ausschließlich beim Beichtenden liegt, was er zur Sprache bringen bzw. welchen Verlauf er dem Gespräch geben möchte.Pfarrer Josef Schmidt
Pfarrer als Partner
Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich die Zustimmung bzw. Mitarbeit eines aufgeschlossenen Geistlichen. Nicht selten gibt es schon jahrelange Bekanntschaften zwischen den SchülerInnen und dem Ortspriester, was diese zur Teilnahme am Beichttag motiviert. Wir an der BHAK/BHAS Liezen sind in der glücklichen Lage, mit den Pfarrern Josef Schmidt und Andreas Fischer zwei sehr beliebte und für diese Interpretation des Sakraments offene Priester gewinnen zu können.
Der „Erfinder“ des Beichttages an der BHAK/BHAS Liezen ist mein Vorgänger Mag. Andreas Schauschütz. Er war es, der im Schuljahr 1998/99 beim damaligen Direktor um die Einführung eines solchen Tages für SchülerInnen und LehrerInnen - ohne schwerwiegende Störung des Schulbetriebes - gebeten hat. Mittlerweile kann man sagen, dass der Beichttag von Schulleitung und KollegInnen als durchaus wichtiger Bestandteil des schulischen Lebens betrachtet wird.
Das Gespräch war nicht so wie in der Volksschule oder Hauptschule, wo wir beichten mussten. Wir hatten Zeit für ein tiefes Gespräch, keine Beichte. Pfarrer Schmidt ist sehr persönlich auf mich eingegangen.
Eine Schülerin
Gemeinsam mit der Schulleitung wurden die noch immer gültigen Rahmenbedingungen festgelegt. Demnach wird zuerst mit dem Ortspfarrer ein Termin vereinbart und der Schulleitung bekannt gegeben. Dieser Termin wird auch mit der ebenfalls im BSZ Liezen beheimateten BBAKIP abgesprochen, da die Beichtgelegenheit auch den SchülerInnen dieser Schule offen steht. Am betreffenden Tag sollten sämtliche Klassen im Haus sein. Die Vorbereitung auf das Sakrament erfolgt durch den jeweiligen Religionslehrer bewusst erst kurz vor dem Termin.
Mut zur Teilnahme
Am Beichttag selbst sind der Beichtraum sowie der Wartebereich entsprechend vorzubereiten. Als „Ostergruß“ von Seiten der Religionslehrer gibt es für die Teilnehmer kleine Süßigkeiten, die Priester bringen Bildchen mit Gebeten mit. Traditionell herrscht an unserem Schulstandort ein sehr gutes Verhältnis zwischen Pfarrer und Direktor, weshalb es vor den Beichten immer zu einer kurzen Begegnung der beiden kommt.
Diejenigen Schüler, die kommen, tun dies freiwillig, outen sich damit auch vor ihrer Klasse, dass ihnen diese Möglichkeit im Rahmen der Schule etwas wert ist.
Pfarrer Josef Schmidt
Auf eventuelle Tests oder Schularbeiten ist selbstverständlich zu achten. Ferner sollte sich jeweils nicht mehr als ein/eine SchülerIn im Wartebereich aufhalten. Da man hier quasi in der „Auslage“ (nicht zu übersehen für vorbeikommende KollegInnen) sitzt, erfordert die Teilnahme am Beichttag einigen Mut. Diesen Mut, gegen den Zeitgeist Stellung zu beziehen und das Bußsakrament in dieser Form in Anspruch zu nehmen, bringen an unserer Schule bei einer Gesamtschülerzahl von etwa 500 alljährlich zwischen 30 und 50 SchülerInnen auf.







